Nach einem langwierigen Verfahren ist die Escursac-Traube im Juni 2016 freigegeben worden. | UH

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Schon Plinius der Ältere erklärte in seiner Naturgeschichte kategorisch, dass die Weine Mallorcas den besten Italiens ebenbürtig seien. Seitdem sind allerdings fast 2000 Jahre vergangen, und die Anbaufläche der Insel hatte sich nach einer Reblausplage und dem Beginn des Massentourismus fast auf Null reduziert, bevor in den 90er-Jahren - zunächst noch sehr zaghaft - wieder an alte Traditionen angeknüpft wurde.

Das hat es mit sich gebracht, dass beim Wiederaufbau der Weinkultur viel mit auswärtigen Rebsorten wie Chardonnay oder Cabernet Sauvignon gearbeitet wurde. Mallorquinische Ursorten waren in Vergessenheit geraten oder durften kommerziell nicht genutzt werden.

Gewendet hat sich das Blatt erst seit der Jahrtausendwende, als die heute dominierenden Sorten Mantonegro und Callet (Rotwein) sowie die weiße Moll (auch als Premsal Blanc bekannt) wieder etabliert wurden. 2012 folgten Gorgollassa und Giró Ros, und im Juni 2016 kam nun die Escursac-Rebe an der Reihe. Nach jahrelanger Vorarbeit wurde die Rebsorte auf Antrag der Balearen-Regierung in das Register der handelbaren Varietäten eingetragen.

Damit dürfe Wein dieser Rebsorte unter dem Label "Vi de la Terra Mallorca" verkauft werden, so Marga Amat von der Erzeugervereinigung der geschützten Herkunftsregion DO Binissalem. "Es gibt ein großes allgemeines Interesse an der Wiederbelebung von autochthonen Varianten. Gleichzeitig ist das natürlich auch kommerziell interessant, da die Winzer auf diese Art einen Wein mit Alleinstellungsmerkmal verkaufen können", erläutert Carme Garau vom Institut für Agrarbildung und Forschung (IRFAP).

Mehr als fünf Jahre Vorarbeit waren im Fall der Escursac-Traube nötig, um alle erforderlichen Genehmigungen aus Palma, Madrid und Brüssel zu erhalten. Seit 2006 liefen Forschungsarbeiten, die sich mit der Traube beschäftigten. Unter anderem musste sichergestellt werden, dass die Zuchtreben keine genetischen Defekte aufweisen und frei von Krankheitsbefall sind.

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Drei Bodegas meldeten sich zudem freiweillig für einen Probelauf und produzierten Mikro-Jahrgänge mit 30 bis 40 Litern Wein. Mit von der Partie waren einerseits die von der deutschen Shampoo-Herstellerfamilie Schwarzkopf betriebene Bodega Can Axartell bei Pollença, wo zurzeit auch mit der Neueinführung der französischen Petit Verdot auf Mallorca experimentiert wird. Zum anderen engagierten sich Tianna Negre in Binissalem sowie Galmés Ribot in Santa Margalida für das Projekt.

"Es handelt sich um eine Rebe mit großem Potenzial. Das Endergebnis ist ein ausgewogener Wein, der ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Säure und Alkohol aufweist", sagt Inhaberin Cati Ribot. Im Übrigen setzt sie nach eigenen Worten darauf, sich von der Konkurrenz abheben zu können: "Einen Mantonegro findet man mittlerweile überall auf Mallorca, der Escursac ist dagegen typisch für Santa Margalida. Wir wollen, dass der Wein Terroir bekommt", so Ribot.

Auch wenn es wegen des umständlichen Verfahrens wohl noch etwas dauern wird, dürfen Weinkenner übrigens auf weitere neue Traubensorten mit typischer Inselcharakteristik hoffen. Beim Agrarministerium in Madrid wurden bereits Anträge für die Varianten "Callet negrella", "Alleluia", "Esperó de Gall", "Giró Negre" und "Esperança de Tibbus" eingereicht. Derzeit dürfen die überlebenden Stöcke dieser Sorten jedoch allenfalls für den Hausgebrauch gekeltert werden.

Insgesamt gibt es nach MM-Informationen bis zu 23 mallorquinische Traubensorten, für die eine Wiederbelebung in Frage kommt. Insider bezweifeln daher hinter vorgehaltener Hand, ob es wirklich Sinn macht, weitere ausländische Varianten wie die Petit Verdot zu importieren. Genehmigungspflichtig wäre es allemal.

(aus MM 25/2016)