Was ist übrig vom Pillenparadies Mallorca?

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pills in hand

Die meisten Medikamente sind selbst in Spanien nicht mehr ohne Rezept erhältlich.

Foto: iStockphoto.com / AlenaHarupich

Dass verschreibungspflichtige Medikamente nur gegen Rezept verkauft werden dürfen, wird auf Mallorca nach wie vor weitgehend ignoriert. Wer hier ein Antibiotikum erwerben will, kann dies in der Regel problemlos auch ohne Rezept bekommen." Das schrieb MM vor gut zehn Jahren, im August 2006. Damals noch galt Mallorca wie ganz Spanien als "Arzneimittel-Paradies". Viele verschreibungspflichtige Medikamente - auch hochdosierte Antibiotika und starke Schlafmittel - gingen lange Zeit ohne Vorlage eines Arzt-Rezeptes über die Ladentheken. Zusätzlich veranlasste die Tatsache, dass viele Arzneimittel in Spanien günstiger als in Deutschland sind, nicht wenige Urlauber und Residenten dazu, sich während ihres Aufenthalts auf Mallorca mit Medikamenten einzudecken. Wie sieht es heute aus? Geht man hierzulande immer noch so lax mit der Medizin um wie einst?

"Nein", sagt der Mediziner Dr. Dieter Uckermann, der eine Praxis in Palma betreibt. "Vor allem was Antibiotika und Schlaf- beziehungsweise Beruhigungsmittel angeht, herrschen heute auch in Spanien strengere Regeln." So müsse auch er, wenn er Patienten beispielsweise Penicillin verschreibt, eigens dafür vorgesehene Rezeptformulare ausfüllen. "Damit geht der Patient dann das Medikament kaufen - die Hälfte des Rezepts behält er, die andere die Apotheke." Bei den staatlichen Gesundheitszentren werden die Rezepte auf die Gesundheitskarte geladen, die von der Apotheke gescannt werden kann.

Einen Grund dafür, dass die "Spielregeln" in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft wurden, sieht Uckermann in der Tatsache, dass immer mehr Patienten Resistenzen vor allem gegen Antibiotika entwickeln. Ein "Mittelmeer-Syndrom" sei das aber nicht. Die Entwicklung in Deutschland hält der Arzt für ebenso besorgniserregend wie in Spanien. Auch in Deutschland gelte in vielen Krankenhäusern die Devise "lieber ein resistenter Patient als ein toter". "Da gibt man dann gerne mal ein zweites Antibiotikum, wenn das erste nicht sofort anschlägt."

Ähnliches verlautet aus der Pressestelle des Verbandes der balearischen Apotheker. "Sie dürfen hier keine verschreibungspflichtigen Medikamente mehr ohne Rezept kaufen", so ein Verbandssprecher. Details erläutert eine Vertreterin des spanischen Gesundheitsministeriums in Madrid auf Anfrage des Mallorca Magazins. Jedes Arzneilmittel mit der Aufschrift "sujeto a prescripción médica" ("verschreibungspflichtig") dürfe nur gegen Vorlage eines Arzt-Rezeptes beziehungsweise der entsprechend codierten Gesundheitskarte herausgegeben werden. Dies zu kontrollieren obliege den Apothekenverbänden und Gesundheitsministerien der Regionen. Beim balearischen Gesundheitsdienst verweist man auf das Gesundheitsministerium in Palma. Dort bestätigt man: "Die Zahlen der bei einer Apotheke eingereichten Rezepte und die Menge der tatsächlich verkauften Medikamente werden verglichen."

Dass es vor allem dann, wenn der Kunde bereit ist, das Medikament komplett selbst zu bezahlen, vielerorts doch nicht so streng zugeht, zeigt eine Studie der spanischen Verbraucherorganisation OCU aus dem vergangenen Jahr. 30 Prozent der insgesamt 1080 Befragten zwischen 25 und 75 Jahren gaben an, hin und wieder verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept zu kaufen. Viele sagten, sie hätten die Arzneimittel bekommen, weil sie entweder den Apotheker kannten oder versprachen, ein Rezept nachzureichen. Auch auf Mallorca werden viele Medikamente für "leichtere" Beschwerden immer noch verkauft, auch wenn auf der Packung "verschreibungspflichtig" steht.

Dass sich auch viele Urlauber in Spanien immer noch mit Arznei eindecken - meist aber mit "normalen" Medikamenten wie Kopfschmerztabletten oder Salben, bestätigt eine Apothekerin aus Palmas Viertel Son Rapinya, die lieber anonym bleiben möchte. "Vor allem Deutsche kaufen hier große Mengen." Dabei scheinen vor allem die günstigeren Preise verlockend. So kosten 20 Aspirin-Tabletten der Marke Bayer auf Mallorca nur 4,95 Euro, in Deutschland hingegen 6,47 Euro. Auch das Nasenspray Sinex von Wick schneidet hierzulande mit 5,67 günstiger ab als in Deutschland (6,59 Euro). 20 Ibuprofen-Tabletten sind bereits ab 2,06 Euro zu haben, während in der Heimat 5,25 Euro fällig sind. Voltaren-Schmerzgel schlägt mit 9,49 Euro statt 15,72 Euro zu Buche.

In großen Mengen ausführen sollten Urlauber die Medikamente aber nicht. Der Zoll schreibt vor: "Bei der Einreise nach Deutschland dürfen Arzneimittel in einer dem persönlichen Bedarf des Reisenden entsprechenden Menge eingebracht werden. Als üblich ist dabei ein Bedarf von maximal drei Monaten je Arzneimittel, unter Berücksichtigung der Dosierungsempfehlungen, anzusehen."

(aus MM 02/2017)

Kommentar

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Marcel D. / Vor etwa 1 Jahr

Selbst wenn es heutzutage immer noch so wäre, wie es früher mal war, also sehr „verlockend“, so wäre das aber eigentlich gar nicht mehr nötig. Man muss sich nur mal anschauen, was mittlerweile in DE alles angeboten wird. Klar, ganz rezeptfrei geht es hier nach wie vor nicht, aber überlegt mal, wie flott das gehen kann, wenn man echt ein Rezept braucht und auch wirklich benötigt. Der Gang zum Arzt ist gar nicht nötig; siehe http://www.alphaklinik.de/antibiotika-ohne-rezept-kaufen/, wo ich davon gelesen hab. Es gibt Apotheken im Netz, die mit Ärzten zusammenarbeiten oder vermitteln und dann erhält man das entsprechende Rezept entweder zugeschickt und kann es dann einlösen oder das Portal wickelt alles ab und man bekommt die Medikamente nur nach Hause geschickt, wenn denn wirklich Bedarf da ist und das ärztlich (aber eben online) abgeklärt wurde. Da ist es meiner Meinung nach wie gesagt gar nicht mehr nötig, ins Ausland zu fahren und Medizin zu kaufen, das bisschen Ersparnis wäre für mich zumindest kein Grund (wenn es denn noch gehen würde) ... da hätte ich ehrlich gesagt auch Bammel, an irgendwelche windigen Händler zu geraten.

Klarsicht / Vor über 2 Jahren

Natürlich sind Medikamente im Ausland bis zu 50% billiger als in Deutschland. Denn die deutschen Refinanzieren die Billigpreise für die Pharmaindustrie zuhause. Sie haben oft andere Namen in Spanien, aber auf dem Beipackzettel findent man dann heraus, um was es sich handelt. Zu achten dabei ist aber auf den gleichen Hersteller. Ich muss sehr oft für Freunde Medikamente mitbringen, auch solche die in Deutschland Rezepte erfordern.