Mehr Häuser, mehr Zimmer, mehr Sterne und mehr Qualität - auf diesen Nenner lässt sich die Entwicklung der Hotellandschaft im Palma des vergangenen Jahrzehnts bringen. Wie kaum anderswo auf der Insel hat der Übernachtungstourismus in der Balearen-Metropole auf Mallorca zugelegt.

2003 Jahren zählte der Hotelverband Palma-Stadt - also ohne die Häuser an der Playa de Palma, die in einem eigenen Verband organisiert sind - 27 Hotels und 6500 Betten. Heute hat sich die Zahl der Übernachtungsbetriebe auf 48 fast verdoppelt, die Anzahl der Schlafplätze erhöhte sich um fast 20 Prozent auf 7792, sagt der amtierende Verbandspräsident Javier Vich. "Dieser deutliche Zuwachs verlief jedoch nicht einseitig. Vielmehr entwickelte er sich Hand in Hand mit der gestiegenen Nachfrage nach Unterkünften in Palma."

Zugenommen habe dabei nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität. Allein im Altstadtbereich haben sich in zehn Jahren ein gutes Dutzend Edel-Hotels etabliert, davon drei mit fünf Sternen und zehn mit vier Sternen. Diese sogenannten Designer-, Boutique- oder "Encanto"-Hotels - spanisch für Liebreiz - besitzen meist zwischen zehn bis 20 Zimmer und sprechen ihre Gäste so vor allem durch exklusiv-elitäre Dimensionen an, im Gegensatz zu den Strandhotels, wo die Anzahl der Zimmer häufig die Hundert überschreitet und somit im Frühstücksraum mehrere Hundert Gäste zusammenkommen.

Die Bandbreite an Ho-telofferten in Palma ist riesig. Manche Häuser, wie das Art-déco-Hotel Ciutat Jardí wurden bereits 1921 in Betrieb genommen, andere Unterkünfte befinden sich in aufwendig renovierten Altstadtpalästen, die ihrerseits aus dem 15. Jahrhundert stammen und so mit dem Charme historischer Anwesen aufwarten.

Hinzu kommen die Hotel-Klassiker rund um Palmas Stadtkern, wie etwa das 1961 eröffnete Schlosshotel Son Vida, die benachbarten Golf-Hotels oder die großen Häuser an der Hafenpromenade, wie etwa Meliá Victòria, Tryp Bellver oder Costa Azul. Jene Unterkünfte lagen einst direkt am Meer und besaßen eigene Badestellen. Erst der Ausbau des Hafens Ende der 1950er Jahre nahm ihnen den Zugang zur See. Dafür bieten die luftigen Terrassen nun spektakuläre Aussichten über Luxusyachten in der Bucht von Palma.

Ergänzt wird die Angebotspalette durch moderne City- oder Tagungshotels für Geschäftsreisende, wie etwa AC Ciutat, Continental oder Tryp Palma. Ein weiterer Bereich sind Hotels, die in reinen Wohngebieten zu finden sind und ihren Gästen einheimisches urbanes Lebensgefühl vermitteln, wie etwa das Hotel Son Armadans im gleichnamigen Stadtteil, das Zurbarán in El Terreno oder das HM Balanguera unweit der Plaça Madrid.

Viel Altstadtflair bieten wiederum die gut in den engen Gassen versteckten Herrenhäusern wie Can Cera, Calatrava, Convent de la Missió, Tres oder Dalt Murada. Neben dem gediegenen Ambiente überraschen diese Häuser mit Terrassen und Balkonen, die ungeahnte Ausblicke auf Kirchen, Kathedrale und Befestigungsmauern bieten. Last but not least führt selbst der Hotelverband Palma-Stadt Hafen- und Strandhotels auf, die Beach-Feeling und Großstadtflair kombinieren, wie etwa das Portixol oder das Nixe in Calamajor.

Nach Javier Vichs Worten weiß Palma Schlafplätze für jeden Geschmack zu offerieren. Der Verbandspräsident lapidar: "Wir bieten alles."

Vich, Spross einer Hoteliersfamilie, führt den Verband seit eineinhalb Jahren, zuvor war er Vize-Präsident. Er sieht sich ganz in der Tradition seiner herausragenden Vorgängerin Marilén Pol, die vor zehn Jahren mit dem ehrgeizigen Ziel angetreten war, aus Palma eine eigenständiges Reisedestination zu schaffen. Pol - (sie erlag als Präsidentin des mallorquinischen Hotelverbandes im Januar einem Krebsleiden) - hatte 2003 Initiativen gestartet, die darauf abzielten, Palma auch an den Sonntagen von einer langweiligen, geschlossenen Stadt zu einer attraktiven Touristenmeile umzuformen. "Das ist zumindest in den Hauptschlagadern des Zentrums gelungen", sagt Vich.

Nach wie vor Handlungsbedarf bestehe indes bei der Vermarktung der Stadt als Hort kultureller Veranstaltungen. Noch immer erfolge die Bekanntgabe von Konzertterminen oder Ausstellungen so kurzfristig, dass Urlauber ihre Planungen nicht danach ausrichten könnten. "Hier haben wir bisher versagt", auch wenn mit der neugegründeten Tourismus-Stiftung Palma de Mallorca 365 endlich die ersten Schritte in die richtige Richtung erfolgt seien.

Nach Vichs Worten hat der Wochenend-Tourismus nach Palma ungeachtet der Krise deutlich zugenommen. Vor allem "City-Breakers" aus dem Ausland würden von Donnerstag bis Sonntag Palma-Erlebnisse in Sachen Shopping, Gastronomie und Kultur suchen. Diese Gäste haben in der warmen Jahreszeit durchaus den durch die Wirtschaftskrise verursachten Rückgang der spanischen Geschäftsreisenden kompensiert, die die Hotels in Palma meist von Montag bis Donnerstag zu belegen pflegten.

 Ungeachtet aller Zuwächse sind die Hotels in den Wintermonaten mit nur 23 Prozent schwach belegt. Hier sieht Vich durchaus Wachstumspotenzial von jährlich zehn Prozent. Im Sommer beträgt die Belegungsrate 85 Prozent. Und die Preise: "Sie liegen, bedingt durch die Krise, deutlich unter dem Rekordniveau von 2007."

INFO

Alle Hotels der Organisation unter www.visit-palma.com