So trotzen Restaurants unter deutschsprachiger Leitung auf Mallorca der Coronakrise

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Jörg Klausmann vom "Mirador de Cabrera"

Jörg Klausmann vom "Mirador de Cabrera"

Jörg Klausmann vom "Mirador de Cabrera"Simon Petutschnig vom "Fera".Nichts ist wie vorher in den restaurants auf Mallorca.Peter Himbert vom "Molí des Torrent".Cristina Pérez von "Schwaiger Xino's".

Die jüngsten Vorgaben der Behörden in Sachen Coronaschutz machen vielen Bars und Restaurants zu schaffen. Insbesondere das Rauchverbot – selbst auf Außenplätzen unter freiem Himmel – und die erneute Verringerung der zulässigen Gästezahl ist für die Gastronomen eine weitere Hürde, die sie zu nehmen haben, um ihre Betriebe fortführen zu können. Leicht ist das für die Unternehmer in diesen Pandemiezeiten mit Reisewarnungen für Mallorca keineswegs.

Viele Betriebe, die sich auf Urlauber spezialisiert hatten, mussten angesichts der ausbleibenden Gäste schließen. Andere Lokale, die vor allem auf Anwohner setzen, sehen sich ebenfalls von den Behörden an den Pranger gestellt. „Wir sind nicht der Verbreitungsherd”, hatte unlängst der Gastronomieverband auf Mallorca in einer Protest-reaktion auf die jüngsten Behördenmaßnahmen mitgeteilt. Die Branche habe viel investiert, um die Mitarbeiter zu schulen und um die Sicherheitskonzepte umzusetzen. So seien bislang keine Ansteckungen über die Gastronomie registriert worden. „Unsere Lokale sind sicherer als die Innenräume von Wohnungen”, sagte Verbandspräsident Alfonso Robledo und verwies darauf, dass viele Ansteckungen bei Privatpartys oder Familienfeiern erfolgten, nicht jedoch in Restaurants. Darüber hinaus kritisierte er, dass die Polizei etwa an der Playa de Palma zwar Bars und Lokale überprüfe – wogegen nichts einzuwenden sei – dafür aber keine Präsenz zeige, wenn unter freiem Himmel Menschen zu Trinkgelagen zusammenkommen. Der Verband befürchtet, dass bis Jahresende auf Mallorca knapp ein Drittel aller Bars und Lokale für immer den Betrieb einstellen werden.

Auch die von deutschsprachigen Gastronomen geführten Restaurants der gehobenen Kategorie haben die Auswirkungen der verschärften Schutzmaßnahmen zu spüren bekommen. Das Rauchverbot, das Ende August in Kraft trat, brachte bei so manchem Restaurantbesucher das Fass zum überlaufen. „Es gibt Gäste, die kommen nicht mehr”, sagt Peter Himbert vom Molí des Torrent, das an der Straße von Santa Maria nach Bunyola in einer Windmühle untergebracht ist. Doch beobachtet hat Himbert zwischen den Gängen auch: „Andere setzen sich ins Auto und rauchen dort. Oder nutzen unseren großen Parkplatz. Aber im Pulk wird nicht mehr geraucht.”

Bei Jörg Klausmann im Mirador de Cabrera in Vallgornera bei Cala Pi ist es ähnlich. „Ich habe derzeit viele Schweizer Gäste. Von denen kommen manche nun nicht mehr. Sie sagen: ,Wenn man uns jetzt auch noch das Rauchen verbieten will, da machen wir nicht mit´.”

Zumindest Chefkoch Simon Petutschnig vom Fera in Palmas Altstadt hat in Sachen Tabakkonsum keine Probleme. „Wir haben das Rauchen auf unserer Freiterrasse seit Lokaleröffnung vor drei Jahren untersagt – aus Rücksicht auf die Nichtraucher.” Das Nobellokal muss sich also nicht umstellen.

Sehr wohl ein Problem für die Gastronomen ist zudem die Senkung der Obergrenze für die Gästezahlen. Die Kapazitätsbegrenzung beträgt neuerdings nur noch 50 Prozent, innen wie außen. Bei kleinen Restaurants mit maximal 50 Besuchern sind es 75 Prozent. Es gilt ferner weiterhin ein Mindestabstand von 1,5 Meter, allerdings nicht mehr zwischen Tisch und Tisch, sondern zwischen den Stuhlrückenlehnen zweier Tischgruppen. Das heißt, die Gastronomen verlieren weiter an Fläche, auf der sie bedienen können.

„Wir haben das Glück, dass wir eine sehr große Terrasse haben. Solange das Wetter mitspielt, haben wir keine Probleme”, sagt Cristina Pérez, Managerin des Edelrestaurants Schwaiger Xino’s in Palmas Son-Rapinya-Viertel. Allerdings, räumt sie ein, sei der Innenbereich recht klein. Dort mit lediglich der Hälfte der Plätze auskommen zu müssen, bereite dem Team gehörig Kopfzerbrechen. „Die Einnahmen im Innern reichen nicht aus, um die volle Mannschaft beibehalten zu können”, sagt Pérez.

Dasselbe Problem beklagt auch Peter Himbert vom Molí des Torrent. „Unser Geschäft läuft durchaus, aber bei halbierter Tischzahl ist das für zwölf Mitarbeiter zu wenig.”

Jörg Klausmann vom Mirador de Cabrera hat vergangene Woche reagiert und für seine Mitarbeiter wieder Kurzarbeit angemeldet. Das Lokal öffnet jetzt nur noch fünfmal pro Woche: Freitagabend sowie Samstag und Sonntag mittags und abends. „Mit dieser Regelung kann ich den Betrieb weiter aufrechterhalten. Zu mir kommen ja vor allem Stammgäste, die hier Immobilienbesitz haben”, sagt Klausmann. Außerdem hatte er sich schon früh in der Coronakrise auch für Catering außer Haus entschieden.

Im Fera in Palma hat man ebenfalls die Bewirtungstage seit dieser Woche von fünf auf drei reduziert. Jetzt ist nur noch von Donnerstag bis Samstag jeweils mittags und abends geöffnet. „Wir müssen uns an die jeweiligen Vorgaben flexibel anpassen und neue Wege ausprobieren”, sagt Simon Petutschnig. Durch die Konzentration auf wenige Tage werde das Lokal aufgrund der konstanten Nachfrage ausgelastet sein. „Abstriche an Qualität und Service wird es bei uns nicht geben”, betont der Chef. Darüber hinaus koche er mit seinem Team mittlerweile im Schnitt zweimal pro Woche auswärts – auf Bestellung in Privathäusern und Landfincas. So kann er seine Mannschaft zusammenhalten und mit Arbeit versorgen.

Cristina Pérez von Schwaiger Xino’s kann die Maßnahmen der Behörden nicht nachvollziehen. „Wir werden in unserer Arbeit immer mehr behindert. Dabei halten wir alle Sicherheitsvorgaben penibel ein. Wir wollen gerne das ganze Jahr durcharbeiten. Aber eine Obergrenze von 50 Prozent, das ist lächerlich. Das schnürt uns die Luft ab!”

An seiner Verärgerung über die Behörden lässt auch Jörg Klausmann keinen Zweifel. „Meine Köchin hat bis zum heutigen Tag ihr Kurzarbeitergeld vom Staat nicht erhalten. Hinzu kommt, dass Maßnahmen wie etwa die Abriegelungszonen nicht klar definiert werden. Manchmal ist von Llucmajor ganz allgemein die Rede. Das verunsichert die Menschen. Die denken dann, das betrifft auch Vallgornera. Dabei liegen wir hier total abseits.”

Wie Jörg Klausmann haben auch die übrigen befragten Gastronomen einen Vorteil: Sie können auf Stammgäste zählen, deutsche und spanische Kunden, die seit Jahren den genannten Lokalen und ihrem Angebot die Treue halten. „Wir haben von Anfang an auf Qualität gesetzt und ernten jetzt sozusagen die Früchte”, sagt Simon Petutschnig. Ähnlich klingt das bei Schwaiger Xino’s: Selbst in Coronazeiten gebe es Tage, an denen die Nachfrage höher ist als das Platzangebot und man Reservierungswünsche auf einen anderen Tag verschieben müsse. „Wir haben viele Gäste, die sich bei uns sicher fühlen”, sagt Cristina Pérez. Über Stammkunden und auch neue Gäste freut sich ebenfalls das Ehepaar Himbert im Mühlenrestaurant. „Deutsche und Spanier halten sich bei uns in etwa die Waage.”

Gleichwohl ist die derzeitige Lage für die Betriebe und ihre Mitarbeiter angespannt. Peter Himbert will das Molí des Torrent zumindest den gesamten September aufhalten, und möglichst auch den Oktober. „Das hängt aber von der weiteren Entwicklung in Sachen Reisewarnung ab”, sagt der Inhaber.

Jörg Klausmann verweist auf seine Gäste: „Wenn diese nicht wären, hätte ich längst geschlossen!” So aber hofft er, sollte an der Coronafront Ruhe einkehren, auf ein „gutes Herbstgeschäft”.

Eine Schließung über den Winter peilen auch das Schwaiger Xino’s und das Fera nicht an. „Wir wollen geöffnet bleiben”, betont Simon Petutschnig, „eine Schließung hat keinen Platz in meinen Gedanken.”

Kommentar

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BHW / Vor 1 Monat

Irgendwie passt die Überschrift "trotzen" nicht zum Tenor des Artikels. Es ist eher eine melancholische Beschreibung des Kampfes gegen einen unvermeidlichen, vom Staat angeordneten Niedergang. Schlussfolgerung daraus: der unfähige Staat Spanien ist der Feind des Volkes und seine Politiker- und Bürokratenmonster sind gnadenlos.

Mimi Courelle / Vor 1 Monat

Gute Qualität und angemessende Preise, zugewandt und freundlich im Miteinander, dass Stammgäste trotz Einschränkungen den Restaura ntbetreibern die Treue halten, ist ein schönes Zeichen von Solidarität. Diese wird um so mehr gefragt sein, wenn man erkennt, dass die Maßnahmen zur Eindämmung auch andere Gründe haben, die über die Verhinderung der Ausbreitung der Erkrankung hinausgehen.