Etwa 1000 Menschen leben zurzeit im Drogenviertel Son Banya. | Miquel A. Cañellas

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Eigentlich sollte das Drogenviertel Son Banya aus Palma de Mallorca vom Stadtplan verschwinden. Doch der Plan des Rathauses ist nicht aufgegangen. Die Einwohnerzahl ist in den vergangenen Jahren auf ein Rekordhoch gestiegen.

Dies bestätigten Polizeiquellen gegenüber der MM-Schwesterzeitung Ultima Hora. Mit wachsender Bevölkerung steige der Anteil der am Drogen-Business Beteiligten exponentiell, hieß es.

"Wir waren noch nie so viele in der Siedlung. Zurzeit leben hier 600 bis 700 Menschen, zählt man Kinder und weitere Verwandte mit, sind es wohl tausend Personen", sagt Carlos Cortés, 'El Charly', Sprecher der Bewohner des Dorfes. Der größte Drogensupermarkt der Balearen hat seine Bevölkerung damit in zwei Jahren gut verdoppelt.

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Zurzeit gibt es 25 Drogenverkaufspunkte, die sich die Gitano-Clans unterinander aufteilen. Der große Unterschied zu den Vorjahren sei, dass die Dealer Probleme mit der Beschaffung von Kokain und Heroin haben, so die Polizei. Aus diesem Grund handele jeder Clan bei den Einkäufen unabhängig, es gebe keinen alles dominierenden Clan.

"Keiner von uns wird Son Banya verlassen, wenn uns das Rathaus keine alternative Wohnmöglichkeit anbietet", sagt Gitano-Sprecher Cortés, "der Bürgermeister muss sich mit uns zusammensetzen". Man wolle künftig für Wasser und Strom zahlen und dafür sorgen, dass die Kinder die Schule besuchen.

Nach dem Willen der Stadtverwaltung von Palma sollte Son Banya bis Ende 2021 geräumt sein. Im Mai 2020 begann die zweite Phase der Abrisse.