ETA-Bomben auf Mallorca seit zehn Jahren ungesühnt

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Mallorca gedenkt Diego Salvá und Carlos Sáenz de Tejada, den beiden Zivilgardisten, die bei dem Attentat vom 30. Juli 2009 in Palmanova getötet wurden.

Foto: Youtube: Ultima Hora

Niemand ging davon aus, dass die baskische Separatisten-Organisation ETA einen Anschlag auf Mallorca verüben würde. Die Insel galt aufgrund ihrer isolierten Lage und als Sommersitz der spanischen Königsfamilie als bestens gesichert und überwacht.

Und dennoch gelang der Terrororganisation ihr Vorhaben: Am 30. Juli 2009, vor exakt zehn Jahren an diesem Dienstag, änderte sich die Situation unvermittelt. Die ETA schlug innerhalb weniger Tage mehrfach zu, tötete dabei zwei junge Beamte der Guardia Civil.

Die heimtückischen Morde sind bis heute ungesühnt. Ungeachtet intensivster Polizeiarbeit konnten die Täter und Hintermänner der Anschläge nicht ermittelt werden.

Es war 13.50 Uhr, als ein Gelände-Dienstfahrzeug vor dem Hauptquartier der Guardia Civil in Palmanova explodierte, just in dem Moment, in dem die beiden Zivilgardisten mit dem Wagen losfahren wollten. Diego Salvá, ein 27 Jahre alter Mallorquiner, der nach einem Urlaub gerade wieder den Dienst angetreten hatte, und Carlos Sáenz de Tejada, ein 29-Jähriger aus Burgos, der seit sechs Monaten auf Mallorca stationiert war, hatten nicht die geringste Chance.

Von diesem Zeitpunkt an verwandelte sich die Situation in ein Chaos. Die Behörden sperrten das Gebiet weiträumig ab und riefen die "Operation Käfig" aus. Der Flughafen Son Sant Joan und die Häfen wurden geschlossen, um eine Flucht der Attentäter zu verhindern. Hunderte von Zivilgardisten und Polizisten führten unzählige Straßenkontrollen durch.

Ein weiteres Artefakt

Stunden nach der Explosion fand sich eine weitere Haftbombe am Boden eines Dienstwagens der Guardia Civil, der am Straßenrand vor der Wache in Palmanova abgestellt gewesen war. Was die ETA-Terroristen nicht wussten: Das Fahrzeug war seit ein paar Tagen havariert und damit nicht in Betrieb. Der Sprengsatz wurde schließlich von einem Spezialkommando durch eine kontrollierte Explosion beseitigt.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und Oppositionsführer Mariano Rajoy reisten am 1. August gemeinsam nach Mallorca, um den getöteten Zivilgardisten die letzte Ehre zu erweisen. In der Kathedrale von Palma fand ein Trauergottesdienst statt, an dem auch das spanische Thronfolgerpaar Felipe und Letizia teilnahm.

Zehn Jahre nach dem Attetat ist an diesem Dienstag in der Kathedrale ein weiterer Gedenkgottesdienst für die getöteten Polizisten vorgesehen.

Nach dem Tod der beiden Polizisten war die Terrorgefahr auf der Insel nicht gebannt. Nur zehn Tage später kam es zu weiteren Bombenanschlägen in der Balearen-Hauptstadt. Am 9. August erhielt die Feuerwehr von Santa Ponça einen anonymen Anruf, der sie informierte, dass es tagsüber zu mehreren Explosionen in Palma kommen würde. Fierberhaft versuchte die Polizei die Sprengsätze zu finden – ohne Erfolg.

Die erste Explosion ereignete sich um 14.20 Uhr im Restaurant La Rigoletta in Portitxol. Nur zwei Stunden später explodierte die zweite Bombe in der Bar Enco in El Molinar, und die letzte Bombe explodierte gegen sechs Uhr nachmittags in der Einkaufsgalerie unterhalb der Plaça Major. Glücklicherweise hatten alle Bomben wenig Sprengkraft und richteten lediglich Sachschaden an. Neue Opfer waren nicht zu beklagen.

Obwohl seit jenen Tagen ein Jahrzehnt vergangen ist, haben die Menschen auf Mallorca jenen ETA-Sommer nicht vergessen. Diego Salvá und Carlos Sáenz de Tejada waren spanienweit die seither letzten Todesopfer, die auf das Gewaltkonto der Terrororganisation gehen. Dass die Attentäter bislang nicht gefasst werden konnten, lässt die Polizei nicht ruhen.

Oberst Hernández Mosquera, Chef der Guardia Civil auf den Balearen, sagte anlässlich des zehnten Todestages der beiden Kollegen, das Attentat sei "ein Stachel im Fleisch" der Polizeitruppe. Er versicherte, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen weiter. "Wir werden nicht aufgeben, bis wir die Täter gefunden haben." (as)

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