Petra /Bonany-Reportaje 057/2010

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Für die Sekretärin aus dem österreichischen Voralberg war der Ort ein wahrer Segen. Immer wenn Mallorquiner mit ihrem Namen Schwierigkeiten hatten, sagte sie süß lächelnd: „Petra, com es poble de Petra”, (Petra, sowie das Dorf Petra.) Irgendwie war dann alles klar, nur dass die Insulaner sich wunderten, wie eine alpenländische Rose zu einem so ungewöhnlichen Namen aus Mallorca kam.

Tatsächlich stammt der Ortsname eines der urtümlichsten Inseldörfer der Zentralebene noch aus urlateinischer Zeit. Die sich später entwickelnde katalanische Sprache schliff den harten Verschlusslaut, das „t”, zum weicheren „d” um. Aus Petra wurde „Pedra”, was Stein bedeutet, doch der Ortsname selbst blieb unverändert erhalten.

Wieso das Dorf den Namen Stein erhielt, weiß heute niemand mehr. Viele steinerne Häuser säumen indes die engen Straßen, von denen eine der anderen gleicht, doch unvermutet öffnen sie sich dann zu einem Platz mit Springbrunnen und Bäumen, so dass Petra eine der schönsten „Plaça” der Insel sein Eigen nennen kann.

So traumverloren und still das Dorf auch unter der Sonne Mallorcas liegen mag, Petra dürfte in den USA der wohl berühmteste Ort auf Mallorca sein. Das kommt daher: Im Jahre 1713 erblickte in dem Dorf der spätere Mönch Juníper Serra das Licht der Welt. Ihn zog es in die weite Welt. Die dort von ihm gegründeten Missionsstationen wandelten sich zu den Metropolen Los Angeles, San Francisco, San Diego, San Bernadino et cetera.

Das Geburtshaus des Mönchs beherbergt heute ein Museum, und wenn US-Amerikaner nach Mallorca kommen, dann lassen sie sich einen Abstecher nach Petra nicht nehmen.